Kurzfassung DBU - Forschungsprojekt Nr. 24858-23

„Nachhaltige Strategien für die Nutzung und Erhaltung städtischer Friedhofsflächen“

Zielsetzung des Forschungsprojekts ist die Nutzung und Erhaltung städtischer Friedhöfe, die aufgrund des sich wandelnden Friedhofs- und Bestattungswesens zunehmende Probleme mit zusammenhanglosen Brachflächen haben. Diese Situation ergibt sich aus dem über Jahre stetig gestiegenen Anteils der Urnenbestattungen sowie der anonymen Bestattungen, dem nachlassenden Interesse an flächenintensiven Familiengräbern und der wachsenden Konkurrenz privatwirtschaftlich organisierter Bestattungswälder (Friedwälder, Ruheforst). In dieser verschärften Wettbewerbssituation verlieren die Friedhöfe in den Städten zunehmend Bestattungsfälle an günstigere Friedhöfe im Umland und müssen entsprechend sinkende Gebühreneinnahmen verkraften. Eine rückläufige Friedhofsnutzung legt die Schließung und Entwidmung von Friedhofsflächen nahe.

Hierdurch würden jedoch stadtkulturelle und denkmalpflegerische Werte sowie die positive stadtklimatische Funktion der Friedhöfe verloren gehen. Darüber hinaus haben Friedhöfe als stark frequentierte Grünanlagen einen hohen Stellenwert für die Naherholung, so dass die Erforschung von Lösungswegen und positiver Gestaltungsmöglichkeiten unabdingbar ist.

Die sich verändernde Bestattungsnachfrage birgt die Chance, eine nachfrageorientierte Belegungsplanung aufzubauen und den verschiedenen Anforderungen angepasste Nutzungsstrategien für Friedhofsüberhangflächen zu entwickeln: Für größere zusammenhängende Flächen wird u. a. die Initiierung eines neuen Bestattungsangebots in natürlich gestalteter Umgebung vorgeschlagen.

Diese neue Bestattungsform in naturräumlich gestalteten Grabfeldern würde dem Bestattungstrend entsprechen, eine gebührenwirksame Reaktivierung von Friedhofsüberhangflächen ermöglichen und zugleich der Abwanderung von Bestattungen entgegenwirken. Für Friedhofsflächen, die mittelfristig nicht für Bestattungen verfügbar sein müssen, werden Nutzungsstrategien zur Sicherung dieser Flächen für die Naherholung sowie den Umwelt- und Naturschutz vorgeschlagen. Weitere Nutzungsstrategien konzentrieren sich auf die Reaktivierung kleinteiliger Friedhofsüberhangflächen in bestehenden Grabfeldern.

Für die naturnahe Gestaltung sowie Vermarktung neuer Bestattungsangebote werden standortgerechte und pflegeleichte Vegetationsformen entwickelt, die sowohl eine Aufwertung der Friedhofsanlage wie auch eine offene Gestaltung von Friedhofsüberhangflächen ermöglichen. Auf dem Kasseler Hauptfriedhof werden diese Vegetationsformen gegenwärtig in praktischen Feldversuchen überprüft. Beispielhafte Pflanzmodule mit konkreten Angaben zu Standortbedingungen, Kalkulationswerten zum Pflegeaufwand sowie Umsetzungsbeispielen sollen die praktische Anwendung dieser innovativen Pflanzenverwendungsform erleichtern.

Es wird davon ausgegangen, dass der Erhalt städtischer Friedhofsflächen vor allem von der Sicherung der Bestattungsnachfrage abhängen wird. Zur Überprüfung dieser These werden folgende Datenerhebungen durchgeführt: Im Rahmen einer detaillierten Analyse der aktuellen Bestattungsnachfrage und des Bestattungsangebots wurde im Zeitraum April – Juli 2008 eine Befragung durchgeführt, die die Entscheidungskriterien bei der Friedhofs-, Bestattungs- und Grabstättenwahl allgemein analysiert. Mit einer Untersuchung exemplarischer Stadtfriedhöfe werden vorhandene Erfahrungen im praktischen Umgang mit Friedhofsüberhangflächen recherchiert und überprüft. Die Analyseergebnisse werden die Grundlage für den Aufbau eines Koordinierungsmodells zur nachfrageorientierten Belegungsplanung sowie zur aktiven Steuerung entstehender Friedhofsüberhangflächen bilden.

Die zu erwartenden Forschungsergebnisse haben Modellcharakter, da weitere 32.000 Friedhöfe in Deutschland von der gleichen Problematik betroffen sind bzw. in Zukunft betroffen sein werden. Neben der Veröffentlichung des Abschlussberichtes ist die Diskussion und Veröffentlichung von Zwischenergebnissen der Forschung im Rahmen eines Symposiums geplant.