Andrea Gerhardt: ‚Ex‐klusive’ Orte und normale Räume.

Versuch einer soziotopologischen Studie am Beispiel des öffentlichen Friedhofs.
Norderstedt, 2007 ISBN: 978‐3‐8370‐0651‐3

Zum Inhalt

Öffentliche Friedhöfe in Deutschland sind sowohl innerhalb der Sozialwissenschaften als auch innerhalb der Humangeographie ein eher wenig bearbeiteter Forschungsgegenstand. Ausgehend von einer grundsätzlichen Gesellschaftlichkeit von Raumbildungsprozessen sind öffentliche Friedhöfe aber nur als eine Mischung aus gesellschaftlicher Praxis, diskursiv hergestellter Räumlichkeit und konkreter örtlicher Gestaltung in den Blick zu bekommen.

Die vorliegende Arbeit ist damit befasst, am Beispiel des Friedhofs das theoretische Modell eines Raumbildungsprozesses vorzustellen, mit dessen Hilfe sowohl konkrete Gestaltungsweisen von Orten als auch sie diskursiv überwölbende soziale Aushandlungsprozesse untersucht werden können. Die Grundannahme der Gesellschaftlichkeit von Raumbildungsprozessen führt im Verbund mit der Entstehung von konkreten Orten zu einer Differenzierung zwischen Anthroposphären und Anthropotopen. Während erstere Raumbereiche mit diskursiven Bestimmungen, Fixierungen und Absicherungsmechanismen befasst sind, geht es in den topischen Raumbereichen um die Schaffung von Orten als physisch konkretisierte Übersetzungsversuche räumlicher Ordnungsvorstellungen. Daher werden einerseits grundlegende Absicherungsmechanismen von etablierten Ordnungen betrachtet; an prominenter Stelle das (strategische) Herstellen von Selbstverständlichkeit und Normalität, andererseits wird ein erweiterter Ortbegriff entwickelt.

Entsprechend des vorgestellten Modells, lässt sich der Friedhof als ein Thanatotop betrachten, welcher diskursiv von der Thanatosphäre überwölbt wird und mit dieser in einer wechselseitigen Beziehung steht. Der hypertope Bereich der Thanatosphäre wird dabei zunehmend durch normalisierende Absicherungsmechanismen mit konstituiert und es lässt sich aufzeigen, dass dies auch Auswirkungen auf die konkreten Gestaltungsweisen öffentlicher Friedhöfe nach sich zieht.

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